Beitrag des ehemaligen NIMH-Direktors Thomas Insel: Robin Williams

Wieder einmal hat eine Tragödie psychische Erkrankungen in die Nachrichten gebracht. In dieser Woche wurde viel über den Selbstmord von Robin Williams geschrieben; Printmedien, Fernsehnachrichten und soziale Medien haben über den Verlust eines außergewöhnlich talentierten Mannes berichtet. Dabei wurden auch die Fakten über psychische Erkrankungen angesprochen: die toxische Mischung aus Sucht und Depression, die hohen Selbstmordraten bei Männern mittleren und höheren Alters und der Umgang mit psychischen Erkrankungen als langfristige Herausforderung.

Angesichts der Herausforderungen, die der Umgang mit multiplen Störungen – in diesem Fall Sucht und Depression – mit sich bringt, ist das, was die Geschichte von Robin Williams so bemerkenswert macht, sein langjähriger Erfolg als komödiantisches Genie. Das ist so, als würde man erfahren, dass ein Weltklasse-Marathonläufer mit einer Herzinsuffizienz kämpfte – eine Leistung, die fast nicht zu glauben ist. Die Figur, die Williams in Good Will Hunting spielte, der Therapeut Sean, hat einen wunderbaren Satz, wenn er über die Unvollkommenheiten der Menschen spricht: „Das sind die guten Seiten“, sagt er. Das „Gute“ an dieser Geschichte mit dem tragischen Ende ist sicherlich die lange Geschichte des erfolgreichen Kampfes, trotz einer Krankheit produktiv, großzügig und authentisch zu sein, der schließlich siegte. Trotz der Energie und Konzentration, die es oft braucht, um mit einer psychischen Krankheit fertig zu werden und sie zu bewältigen, war Robin Williams in der Lage, Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Freude und Lachen zu bringen.

Wir in der Gemeinschaft der psychisch Kranken sprechen viel über Genesung, aber die unbequeme Wahrheit ist, dass psychische Krankheiten für zu viele Menschen tödlich sein können. Zwar können Scham oder Vorurteile, mangelnder Zugang oder eine schlechte Qualität der Versorgung zu einem tödlichen Ausgang beitragen, doch selbst diejenigen, die sehr offen über ihren Kampf gesprochen haben und Zugang zur bestmöglichen Versorgung hatten, sterben noch zu oft an einer Depression. Dies gilt natürlich auch für viele Formen von Krebs und Herzkrankheiten im Endstadium. Aber unsere Diskussionen über psychische Erkrankungen konzentrieren sich selten auf diese unbequeme Wahrheit: Diese Krankheiten sind derzeit genauso tödlich wie die „großen Killer“. Wir müssen weiterhin in die Forschung investieren, um neue und wirksamere Behandlungen für Menschen mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen zu entwickeln. Das Ziel muss eine Zukunft sein, in der keine Menschenleben mehr durch Selbstmord verloren gehen.

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